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03.04.2017

Rundbrief des Bundesvorsitzenden, Ulrich Weigeldt, am 03. April 2017

Kategorie: Hausärzte, Termine, Gesetze - Verordnungen, Hausarztverträge/ IV-Verträge, Verbandspolitik, Gremien, Fortbildung, Berufspolitik-Sonstiges, Beschlüsse, Presse

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

 

schon seit Oktober haben Patienten gesetzlichen Anspruch auf den Medikationsplan. Seit dem 1. April gilt er nun bundeseinheitlich. Für die Patienten wird es diesen Medikationsplan zunächst in Papierform geben. Die Speicherung auf der elektronischen Gesundheitskarte soll erst 2018 folgen.

 

 

Dass ein bundeseinheitlicher Medikationsplan in Papierform wenig Sinn macht und dazu noch fehleranfällig ist, haben wir ja bereits mehrfach angemerkt. Und auch bei der konkreten Ausgestaltung sind noch einige Fragen ungeklärt. Dennoch: Unter bestimmten Bedingungen sind Sie als Hausärztin oder Hausarzt verpflichtet, einen bundeseinheitlichen Medikationsplan auszustellen, und zwar wenn

 

 ein Patient Sie aktiv danach fragt und er

 drei auf Muster 16 verordnete Medikamente

 gleichzeitig einnimmt oder anwendet

 und es sich dabei um eine Dauermedikation sowie

 um systemisch wirkende Medikamente handelt.

 

 

Dabei sind Sie als Hausarzt in der Regel für die Erstellung des Planes zuständig. Dokumentiert werden müssen zudem Arzneimittel ohne Verschreibung sowie für die Medikation relevante Medizinprodukte. Diese müssen ebenfalls vom Hausarzt, soweit dieser davon ausreichend Kenntnis hat, dokumentiert werden. Auch Apotheker, Fachärzte oder Krankenhäuser können den Plan aktualisieren.

 

 

Schon auf den ersten Blick wird klar: Diese enorm komplexe Ausgestaltung wird nicht dazu beitragen, dass die Medikationspläne vollständig sind und man sich als Hausarzt auch entsprechend darauf verlassen kann.

 

 

AiS-Anbieter kassieren ab

 

 

Eine besonders unrühmliche Rolle haben bei dem gesamten Prozess einige AiS-Anbieter gespielt. Sie haben teilweise keinen Moment gezögert, die Situation auszunutzen und auf dem Rücken der Hausärztinnen und Hausärzte Kasse zu machen. Berücksichtigt man darüber hinaus noch die geradezu lächerliche Vergütung, die die Selbstverwaltung ausgehandelt hat, dann kommt man nicht umhin festzustellen: Patientinnen und Patienten werden von dem Projekt kaum profitieren, die Hausärztinnen und Hausärzte werden aber trotzdem draufzahlen.

 

 

Wir haben natürlich alles getan und mehrmals das Gespräch mit der Selbstverwaltung, aber gerade auch mit der Politik gesucht. Hier lief unsere Kritik bezüglich der überteuerten Einrichtung immer wieder mit dem Hinweis auf wettbewerbsrechtliche Gründe ins Leere. Aus unserer Sicht ist das nicht nachvollziehbar.

Liebe Kolleginnen und Kollegen – natürlich ist das Medikationsmanagement ein ganz entscheidendes

Thema. Es gehört seit jeher zu unseren Aufgaben in den Hausarztpraxen. Von daher wäre gegen einen

einheitlichen Medikationsplan überhaupt nichts zu sagen – wenn die Umsetzung nicht so dramatisch

schlecht wäre! Mit Blick auf die komplizierten Regelungen, die Papierform, die teilweise sehr

hohen Kosten für die Einrichtung der Praxissoftware und die in keiner Weise angemessene Vergütung

für die Leistung muss man feststellen, dass der Medikationsplan – in der jetzt ausgestalteten

Form – zu keiner Verbesserung der Versorgung unserer Patienten beiträgt. Vielmehr führt er zu

Mehrbelastungen für die Hausärztinnen und Hausärzte und beschert einigen AiS-Anbietern darüber

hinaus einen warmen Geldsegen.

 

 

Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass die Hausärztinnen und Hausärzte diesen Murks möglichst

schnell zu den Akten legen können. Bis dahin sind wir gezwungen, mit dem Thema möglichst

unbürokratisch umzugehen.

 

 

Herzliche Grüße

Ulrich Weigeldt

Bundesvorsitzender