Wie stark die Hausärzte in Deutschland von europäischen Richtlinien betroffen sind, hat sich gerade wieder beim diesjährigen Deutschen Ärztetag gezeigt, wo die Frage, ob es den Facharzt für Innere Medizin ohne Schwerpunkt in Deutschland geben muss, insbesondere vor dem Hintergrund der Europäischen Richtlinie, diskutiert wurde.
Vom 19. bis 21. April 2007 fand die Hauptversammlung der UEMO in Lissabon statt. Mit dem Jahr 2007 hat die portugiesische Delegation das Präsidium der UEMO von der schwedischen Delegation übernommen. Am Beginn der Hauptversammlung stand eine Veranstaltung, die vom Präsidenten der Europäischen Kommission Jose Manuel Barroso eröffnet wurde. In seinen Ausführungen betonte Präsident Barroso, dass die Europäische Union nicht beabsichtigt, in die Gesundheitssysteme der Mitgliedsländer direkt zu intervenieren. Er betonte das europäische Prinzip der Subsidarität, nach dem die europäischen Institutionen nur dort regelnd eingreifen, wo die nationalen Gesetzgebungen an ihre Grenzen stoßen. Dies ist z. B. der Fall bei Problemen wie Ausbreitung der Vogelgrippe oder gemeinsamen Strategien gegen HIV. Wenn die Gesundheitsversorgung ihrer Bürger auch zukünftig alleinige Aufgabe der Mitgliedsstaaten bleibt, so formuliert der Kommissionspräsident doch als langfristiges Ziel, dass alle europäischen Bürger eine qualitativ gleichwertige Gesundheitsversorgung erhalten sollen. Neben diesen eher allgemeiner gehaltenen Aussagen zur europäischen Gesundheitspolitik ließ Präsident Barroso durchblicken, dass er eine gezielte Förderung der Allgemeinmedizin anstrebt. Die neue portugiesische Präsidentin der UEMO, Dr. Isabel Caxairo, hat bereits angekündigt, dass sie ihn zu gegebener Zeit daran erinnern wird.
An die feierliche Eröffnung schloss sich die Arbeitssitzung der UEMO an, die als Plenumsveranstaltung eine Diskussionsplattform für alle 21 Delegationen bildet und bei der die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt sowie ggf. Resolutionen abgestimmt werden. Es bestehen folgende fünf Arbeitsgruppen:
Die Arbeitsgruppe "Allgemeinmedizinische Weiterbildung" hat politisch sicher die größte Bedeutung. Hier werden die Konzepte erarbeitet, die von der UEMO unmittelbar an die Europäische Kommission herangetragen werden und der „Lobbyfahrplan“ abgestimmt. Es war der deutschen Delegation ein besonderes Anliegen in diesem zentralen Ausschuss an vorderer Linie mitzuarbeiten, da dieser Tätigkeitsbereich der EU sich unmittelbar auf die Weiterbildungsorganisation in den einzelnen Ländern und in den letzten Jahren besonders in Deutschland auswirkt. Vorsitzender dieser Arbeitsgruppe und bis Oktober 2006 Vizepräsident der UEMO ist aus diesem Grunde der Vertreter des Deutschen Hausärzteverbandes, Dr. Volker von der Damerau-Dambrowski.
Wichtigster Erfolg der UEMO in den letzten Jahren war ohne Zweifel die Verlängerung der Mindestweiterbildungszeit für die Tätigkeit als Hausarzt von 2 auf 3 Jahren ab 2007, die in der Arbeitsgruppe vorbereitet wurde, von der UEMO Präsidentschaft verfolgt und schließlich im Konsens mit der „Europäischen Ärztekammer“ (Comité permanente, CP) bei Kommission und Europäischem Parlament durchgesetzt werden konnte. Es ist in der Arbeitsgruppe gelungen, als politische Marschrichtung der UEMO festzulegen, dass
Beide Ziele sind Gegenstand von zum Teil andauernden Diskussionen innerhalb der UEMO, da in einigen europäischen Ländern die Anhebung der notwendigen Mindestweiterbildungszeit mit Hinweis auf die finanziellen Folgewirkungen auf Vorbehalte stößt. Dennoch: Die Generallinie, die auch bei der Sitzung in Lissabon bestätigt wurde, ist eindeutig und völlig unstrittig. Es müssen alle Wege genutzt werden, um der Allgemeinmedizin den notwendigen Status und der hausärztlichen Tätigkeit die gebührende Anerkennung zu verschaffen. Dies schließt selbstverständlich eine ausreichende finanzielle Ausstattung der hausärztlichen Versorgung mit ein.
Heute ist die UEMO für hausärztliche Interessenvertretung auf dem europäischen Parkett gut aufgestellt. Dies ist insbesondere auch der Zusammenarbeit mit dem CP (Europäische Ärztekammer), mit dem die UEMO eine Bürogemeinschaft in Brüssel unterhält, zu verdanken. Darüber hinaus sind die Sitzungen eine unersetzliche Quelle für Informationen aus anderen europäischen Ländern, die oft Impulse für die Arbeit des Deutschen Hausärzteverbandes in Deutschland geben können.
So wurde in Lissabon von Vertretern der englischen Delegation berichtet, dass die jährlich stattfindende kollegiale Bewertung, welche die Voraussetzung für eine weitere Zulassung als Hausarzt ist, verschärft werden soll. Heute müssen sich Hausärzte (General Practitioners, GP) in England einem Prüfsystem unterziehen, das im wesentlichen aus Praxisbewertungen durch besonders ausgebildete hausärztliche Kollegen besteht. Diese Überprüfungsart ist bei den Hausärzten gut akzeptiert, bietet sie doch auch Orientierung und Hinweise, wo es ggf. persönliche oder praxisbezogene Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Eine Regierungskommission hat nun Vorschläge vorgelegt, die vorsehen zusätzlich zu dem Bewertungssystem eine Re-Zertifizierung für Ärzte einzuführen, auf der Grundlage von einheitlichen Kriterien unter Einschluss von u. a. Patientenbefragungen, Wissenstest, Beobachtungsroutinen von Praxisabläufen.
Die aktuellen Resolutionen und Arbeitspapiere der UEMO sind auf der homepage des Deutschen Hausärzteverbandes veröffentlicht.
Mit freundlichen Grüßen
Robert Festersen
- Geschäftsführer -