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11.10.2017

Rundbrief des Bundesvorsitzenden, Ulrich Weigeldt, am 11. Oktober 2017

Kategorie: Hausärzte, Termine, Gesetze - Verordnungen, Hausarztverträge/ IV-Verträge, Verbandspolitik, Gremien, Fortbildung, Berufspolitik-Sonstiges, Beschlüsse, Presse

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

 

die Bundestagswahl liegt hinter uns und die Parteien bereiten sich auf die ersten Sondierungsgespräche vor. Unser Auftrag ist auch in dieser Zeit, in der gerne mal realitätsferne Vorschläge im Gesundheitswesen herumgeistern, unverändert klar: Unser Verband, die Interessensvertretung der Hausärztinnen und Hausärzte, wird sich konsequent für faire Rahmenbedingungen und eine Stärkung der hausärztlichen Arbeit einsetzen. Da trifft es sich gut, dass wir vor gut einem Monat auf dem Deutschen Hausärztetag noch einmal Gelegenheit hatten, in Diskussionen und Abstimmungen die Standpunkte der Hausärzteschaft auszutarieren und zu festigen. Dabei wurde sehr deutlich, welche Themen in den kommenden vier Jahren für uns Hausärzte die zentrale Rolle spielen und wo dringend nachgebessert werden muss. Diese Weichenstellung für die Verbandsarbeit haben wir gemeinsam in Beschlüsse gefasst, die auch Grundlage unserer Forderungen an die künftige Regierung sein werden.

 

 

Warum die Kompetenzdebatte geführt werden muss!

 

 

Ein Thema stach während des Hausärztetages besonders hervor. Es wurde in einem Leitantrag, dem die Delegiertenversammlung einstimmig zugestimmt hat, noch einmal bekräftigt: die Sicherung und der Ausbau der hausärztlichen Kompetenzen. Die Akteure der Selbstverwaltung, die Politik, der Gesetzgeber sowie die Kostenträger wurden in diesem Leitantrag aufgefordert, Einschränkungen der hausärztlichen Kompetenzen sofort zu stoppen. Dabei wurde insbesondere die Übernahme von genuin hausärztlichen Aufgaben durch hierfür nicht weitergebildete Gebietsfachärzte, Arztassistenten oder auch andere Substitutionsversuche abgelehnt.

 

 

Jüngstes Beispiel hierfür ist der Versuch, Hausärztinnen und Hausärzte aus der palliativmedizinischen Versorgung auszuschließen. Wir kennen das ja bereits aus der Pädiatrie und Geriatrie. Plötzlich gibt es Zusatzanforderungen, die erstens schon in der Weiterbildung erworben wurden und die zweitens im Praxisalltag eines Hausarztes aus ganz praktischen Gründen kaum oder gar nicht erbracht werden können. Hierzu hatten wir in den vergangenen Wochen sehr deutlich Position bezogen. Unverständlicherweise sieht die Spitze der ärztlichen Selbstverwaltung das anders als die Hausärztinnen und Hausärzte. Erst vor wenigen Wochen gab der (hausärztliche) Vorstand in der KBV-Vertreterversammlung zu verstehen: Die Hausärztinnen und Hausärzte müssten akzeptieren, dass sie, wenn sie palliativmedizinische Leistungen erbringen wollen, nun einmal neue Nachweise vorweisen müssen.

 

 

Heißt im Klartext: Wenn wir nicht mitmachen und nicht einem Sticker nach dem anderen für unser Sammelalbum „Formale Anforderung“ nachjagen, dann wird unsere Kompetenz fortlaufend infrage gestellt.

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich teile diese Ansicht nicht. Nicht, weil ich gegen Qualifikationen und Fortbildungen bin. Im Gegenteil! Mit unserem Institut für hausärztliche Fortbildung (IHF) setzen wir uns seit Jahren erfolgreich für qualitative, hausärztliche Fortbildungen ein. Natürlich müssen wir Hausärzte uns weiterqualifizieren und auf dem neusten Stand der Medizin bleiben, das machen wir doch aber auch schon seit jeher – wer anderes denkt (aber auch gerne, wer längst überzeugt ist), sollte uns auf der practica in zwei Wochen besuchen!

 

 

Der Punkt ist vielmehr der: Es muss endlich akzeptiert werden, dass ein Hausarzt nach fünf Jahren

Weiterbildung fertig qualifiziert ist, und dass die regelmäßigen Fortbildungen dafür da sind, dieses

Wissen zu aktualisieren und nicht, um immer wieder die bereits erworbene Qualifikation nachzuweisen.

Stattdessen werden uns nach und nach Anforderungen aufgezwungen, die fernab jeder

Praxisrealität getroffen wurden und hinter denen zumeist irgendwelche Sparkonzepte oder

Klientelpolitik stecken.

 

 

Warum wir uns für ein freiwilliges (!) Primärarztsystem einsetzen!

 

 

Dass dieses Thema vielen Hausärztinnen und Hausärzten auf der Seele brennt, wurde auch beim

Deutschen Hausärztetag deut


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