Bookmark and Share
23.01.2018

Rundbrief des Bundesvorsitzenden, Ulrich Weigeldt, am 23.01.2018

Kategorie: Hausärzte, Termine, Gesetze - Verordnungen, Hausarztverträge/ IV-Verträge, Verbandspolitik, Gremien, Fortbildung, Berufspolitik-Sonstiges, Beschlüsse, Presse

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

 

die aktuelle Regierungsbildung als „zäh“ zu beschreiben, wäre eine maßlose Untertreibung.Nach dem Beschluss des SPD-Parteitages stehen nun Koalitionsverhandlungen an. Grundlage dieser soll ein 28-seitiges Papier sein, das seit dem Ende der Sondierungsgespräche vorliegt und das zumindest eine Richtung erahnen lässt, in die es in einer möglichen Großen Koalition gehen könnte. Wir werden in den kommenden Wochen die Diskussionen im Bereich der Gesundheitspolitik sehr genau beobachten und uns bei Bedarf natürlich frühzeitig zu Wort melden.

 

 

In der letzten Zeit gab es in der Gesundheitspolitik quasi nur noch ein Thema: die Bürgerversicherung. Auch wir haben uns natürlich in die öffentliche Diskussion eingebracht. In dem Sondierungspapier findet sie keine Erwähnung.

 

 

Bürgerversicherung darf nicht das einzige Thema auf der gesundheitspolitischen Agenda sein!

 

 

Zweifellos ist die Frage, wie das Krankenkassensystem der Zukunft aussieht, auch für uns Ärzte wichtig. Für die Hausärzte und ihre Patienten gibt es jedoch eine Vielzahl weiterer wichtiger Themen, die mindestens genauso entscheidend sind: Was geschieht mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 und der hausärztlichen Nachwuchssicherung? Werden die Hausarztverträge, als Alternative zum KV-System, weiter ausgebaut werden können? Und wie kann künftig die Lücke bei der Vergütung zwischen Hausärzten und einigen Facharztgruppen endlich geschlossen werden?

 

 

Deswegen haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass die Diskussion über die Bürgerversicherung nicht dazu führen darf, dass andere wichtige Themen unter die Räder geraten! Diese Gefahr besteht aktuell.

 

 

Der hausärztlichen Versorgung darf kein einziger Euro entzogen werden!

 

 

Bis heute sind viele Detailfragen zur konkreten Ausgestaltung der Bürgerversicherung ungeklärt. Auch deswegen haben wir uns weder für noch gegen eine Bürgerversicherung ausgesprochen, sondern immer wieder unsere Forderung nach einer vernünftigen und fairen Finanzierung der Primärversorgung wiederholt. Das ist unser Kernanliegen, an dem wir jede Reform messen werden! In welchem Versicherungssystem dies am Ende des Tages geschieht, ist dabei zunächst zweitrangig.

 

 

In jedem Fall halten wir es für klüger, uns mit klaren Forderungen in die Diskussion einzubringen, statt – wie einige Facharztverbände – mit Praxisschließungen zu drohen. Zu diesen kam es zum einen in der Vergangenheit bekanntlich nie, zum anderen ist es auch zweifelhaft, ob solche Drohszenarien den Kolleginnen und Kollegen in den Praxen am Ende wirklich helfen.

 

 

Was ich nicht akzeptieren kann, ist, wenn einzelne Funktionäre der ärztlichen Selbstverwaltung, die noch nie einen Handschlag zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung beigetragen haben, uns darüber belehren wollen, wie wir unsere Interessen zu vertreten haben. Statt schlaue Ratschläge zu erteilen, sollten sie uns lieber mehr bei den Themen unterstützen, die den Hausärzten seit langem auf der Seele brennen. Ich sage da nur „Grundversorgende Fachärzte“, „NäPa-Zuschlag“ oder „Palliativleistungen“.

 

 

Arztgehilfen ersetzen hausärztliche Nachwuchssicherung nicht

 

 

Was Konsens bei den politischen Akteuren zu sein scheint, ist, dass die Sicherstellung der Primärversorgung in allen Regionen in Deutschland Priorität haben muss. Der Konflikt erstreckt sich dabei also weniger darüber, ob das notwendig ist, sondern vielmehr, wie das gelingen kann – und hier gehen die Meinungen leider weit auseinander! Ständig werden Modelle diskutiert, in denen hausärztliche Leistungen durch andere Facharztgruppen, oder nichtärztliche Berufe substituiert werden sollen, vor allem durch Arztgehilfen (so genannte Physician Assista


<< Erste < Vorherige Seite 1 Seite 2 Nächste > Letzte >>