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09.07.2018

Mitglieder-Rundbrief des Bundesvorsitzenden, Ulrich Weigeldt

Kategorie: Hausärzte, Termine, Gesetze - Verordnungen, Hausarztverträge/ IV-Verträge, Verbandspolitik, Gremien, Fortbildung, Berufspolitik-Sonstiges, Beschlüsse

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

 

in der Gesundheitspolitik ist momentan mächtig Druck im Kessel. Wir erleben, dass insbesondere der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen massive Angriffe gegen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte fährt. Das Ziel ist klar: Der freie Arztberuf soll immer stärker normiert wer-den. Der GKV-Spitzenverband versucht zunehmend, sich in den ärztlichen Praxisalltag einzu- mischen. Das ist an sich nichts Neues, die Heftigkeit mit der dies momentan allerdings geschieht, ist doch alarmierend.

 

 

Insbesondere die Forderung des GKV-Spitzenverbandes, dass Ärztinnen und Ärzte zukünftig doch bitteschön auch vermehrt zusätzliche Sprechstunden spätabends und am Wochenende anbieten sollen, zeugt davon, dass die Damen und Herren in den Führungsetagen offensichtlich die Realität in den Praxen überhaupt nicht mehr kennen. Schon heute arbeiten Hausärztinnen und Hausärzte 53 Stunden pro Woche – im Schnitt! Dass die Kassenvertreter allen Ernstes nun so tun, als ob die Probleme in der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung aus einer mangelnden Leistungs-bereitschaft der Hausärztinnen und Hausärzte resultieren, kann eigentlich nur ein schlechter Witz sein!

 

Weil wir als Hausärztinnen und Hausärzte diese Angriffe nicht hinnehmen dürfen, habe ich mich in der vergangenen Woche in einem offenen Brief an die Vorstände des GKV-Spitzenverbandes gewandt und dabei zwei zentrale Punkte unmissverständlich klargemacht:

1. Es kann nicht sein, dass sich die Kassen anmaßen, darüber zu entscheiden, wie die Hausärztinnen und Hausärzte ihren Praxisalltag zu organisieren haben! Wann die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Sprechstunden machen und ob sie Termine ver-einbaren oder freie Sprechstunden anbieten, ist einzig und allein Sache der Ärztin oder des Arztes und nicht von Kassenfunktionären.

2. Hausärztinnen und Hausärzte leisten schon heute ein enormes Pensum! Wer fordert, dass sie ihre Arbeitszeit steigern müssen, gleichzeitig aber ständig neue Bürokratie-monster schafft, der hat sich aus der Versorgungsrealität in der Tat verabschiedet!

 

Besonders erstaunt waren wir übrigens über den Versuch des Spitzenverbandes der Kranken- kassen, sich als Interessensvertreter der Patientinnen und Patienten zu profilieren. Das ist nichts anderes als der Versuch, Patienten und ihre Hausärzte gegeneinander auszuspielen. Dass das natürlich nicht funktionieren wird, liegt auf der Hand – allein schon, weil Millionen Patienten jeden Tag zu spüren bekommen, wie die Kassen auf ihre Kosten versuchen, zu sparen. Unseren offenen Brief können Sie hier nachlesen www.hausaerzteverband.de

 

Unsere Forderungen

Statt mit dem Finger auf die Ärzte zu zeigen, sollten die Kassenfunktionäre endlich mithelfen, die Probleme bei der hausärztlichen Versorgung anzupacken. Wir fordern:

* die Entbudgetierung typisch hausärztlicher Leistungen wie Hausbesuche, Geriatrie, Palliativmedizin und Gesprächsleistungen

* die Vergütung von Hausbesuchen, die auf einer betriebswirtschaftlichen Kalkulation, vergleichbar mit der bei technischen Leistungen, basiert

* die Stärkung der auf Pauschalen basierenden Hausarztverträge, als Alternative zu der überkomplexen EBM-Systematik

* eine gemeinsame Initiative von Krankenkassen und Ärzteschaft zur nachhaltigen Bekämpfung des Bürokratiewahnsinns in den Praxen.

 

Auch unter den Krankenkassen gibt es selbstverständlich viele Akteure, die für bessere Rahmenbedingungen in der hausärztlichen Versorgung eintreten und mutig neue Konzepte umsetzen. Wir erleben beispielsweise, dass immer mehr Krankenkassen bei der Umsetzung der Hausarztverträge

partnerschaftlich mit uns zusammenarbeiten. Ihre Spitzenorganisation auf Bundesebene verharrt jedoch leider im Status quo und beschränkt sich auf Schuldzuweisu


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