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05.06.2012

Krankenkassen die Versorgungssteuerung zu überlassen, ist keine zukunftsfähige Lösung

Rubrik: Hausärzte, Beschlüsse, Termine, Gesetze - Verordnungen, Hausarztverträge/ IV-Verträge, Verbandspolitik, Gremien, Fortbildung, Berufspolitik-Sonstiges, Presse

 

Köln/Berlin, 05.06.2012. – Krankenkassen sollen mehr Einfluss auf Krankenhauseinweisungen erhalten. Ärztliche Kompetenz und das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient können dadurch unterlaufen werden, befürchtet der Deutsche Hausärzteverband.

Nach den Vorstellungen des Bundesgesundheitsministeriums und der Koalition sollen Krankenkassen eine stärkere Rolle bei der Einweisung von Patienten in Krankenhäuser zugeschrieben werden. Entsprechend einer Formulierungshilfe zum Psych-Entgeltgesetz (PsychEntgG) könnten Kassen in ihren Satzungen künftig vorsehen, dass Versicherte für eine Krankenhausbehandlung keine Zuzahlungen leisten müssen, wenn sie ein von der Krankenkasse vorgeschlagenes Krankenhaus wählen.

„Dass Krankenkassen die Versorgungssteuerung übernehmen, ist sicher nicht der optimale Weg, um eine gute Versorgung zu gewährleisten", sagt Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. Das Vertrauen des Patienten zum Arzt sei wesentlich höher, als das zur einer Kasse, so der Allgemeinmediziner. „Genau dieses Vertrauen wird aber konterkariert, wenn die Kasse dem Patienten ein anderes Krankenhaus vorschlägt, als der behandelnde Arzt und dadurch die Kompetenzen des Arztes in Frage gestellt werden", erklärt Weigeldt weiter.

Krankenkassen würden bei dem Vorschlag eines Krankenhauses „qualitative Kriterien" berücksichtigen, führt die Begründung der Formulierungshilfe aus. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei der Entscheidung für das eine oder andere Krankenhaus auch wirtschaftliche Erwägungen herangezogen werden", moniert Weigeldt. Das könne schnell zu Lasten des Versicherten gehen. Eine erfolgreiche Steuerung von Qualität und Wirtschaftlichkeit ist nach wie vor nur durch ein funktionierendes Hausarztsystem zu erreichen.

 Krankenkassen nicht die Versorgungssteuerung überlassen