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Rundbrief des Bundesvorsitzenden, Ulrich Weigeldt, am 05.12.2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in der vergangenen Woche hat Die Techniker ihre neue Kooperation mit Ada Health vorgestellt. Das ist eine dieser Apps, in die man ein paar Symptome eintippt, die dann eine Krankheit ausspuckt und einem sagt, wie man sich mit dieser Krankheit am besten verhalten soll. Auf Wunsch kann man dann mit einem kasseneigenen Call-Center-Arzt telefonieren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, was wir hier beobachten, ist nur ein weiterer Versuch eines Kostenträgers, Einfluss auf die Versorgung unserer Patienten zu nehmen. Statt eine kompetente ärztliche Behandlung zu erhalten, sollen diese mit Kassensparangeboten abgespeist werden. Das ist schlicht verantwortungslos. Was passiert denn beispielsweise, wenn Patienten wegen einer Fehldiagnose der App nicht zum Arzt gehen?

Wir erleben es doch jeden Tag in der Praxis: Zu einer umfassenden Diagnose braucht es weit mehr als nur aneinandergereihte Daten. Der persönliche Kontakt, die Kenntnis des sozialen Umfeldes des Patienten sowie eine ärztliche Untersuchung unter Zuhilfenahme aller Sinne sind einfach unerlässlich. Sehen, fühlen, riechen und hören können nun einmal nicht durch ein paar Klicks auf einem Smartphone ersetzt werden.

Herr Baas geht sogar noch weiter und kündigt an, dass es in naher Zukunft als „Kunstfehler" gelte, wenn Ärzte Diagnosen stellen, ohne ein „digitales Expertensystem zu nutzen". Das wäre ja noch schöner! Vielleicht liefert die App in der Version 2.0 dann auch gleich noch die passenden ICD 10-Codierungen? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Die Kassen wollen in die Versorgung unserer Patienten reinregieren, am Ende bleibt aber die Verantwortung (und damit die Haftung) bei uns Ärzten. Wir sind keine Handlanger der Krankenkassen! Und die Kassen sind schon längst keine Ärzte! Sie sind Kostenträger – nicht mehr und nicht weniger.

Innovation sieht jedenfalls anders aus! Wirklich fortschrittliche Kassen suchen zusammen mit den Ärzten nach guten Lösungen und versuchen nicht, diese überflüssig zu machen. Und dafür gibt es ja durchaus gute Beispiele!

Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich kann Digitalisierung die Versorgung sinnvoll ergänzen. Beispielsweise, indem digitale Tools die Arzt-zu-Arzt-Kommunikation erleichtern oder Notfalldaten schnell verfügbar machen. Aber wenn Digitalisierung instrumentalisiert wird, um auf Kosten der Qualität billige „Medizin" anzubieten, dann schlagen wir eine gefährliche Richtung ein.

Mit kollegialen Grüßen

Ulrich Weigeldt

Bundesvorsitzender